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Mit dem ersten Gong beginnt das große Gähnen
 
Experten meinen: Jugendliche vor 9 Uhr zu unterrichten, ist kontraproduktiv. Schlafmediziner fordern deshalb einen späteren Schulbeginn.

Wenn Schüler morgens schwächeln, tragen Sie oft keine Schuld daran. Denn wider jede schlafmedizinische Erkenntnis zwingen Kultusminister die Schüler zu einem Schulbeginn meist zwischen 7.45 und 8.15 Uhr - mancherorts sogar deutlich früher. So müssen Kinder wegen weiter Anfahrtswege bereits um 6 Uhr oder sogar noch zeitiger aufstehen. “Das ist für sie biologisch nicht früh, sondern mitten in der Nacht”, urteilt der Regensburger Schlafforscher Professor Jürgen Zulley. ... “

Der Beginn der Kernzeit sollte auf 9 Uhr verlegt werden”, schägt der Schlummer-Fachmann vor. ... In Deutschland aber gelte frühes Aufstehen vermutlich als “moralisch höherwertiger” - was auch Sprüche wie “Morgenstund’ hat Gold im Mund” andeuten. ... Leider werde “immer so getan, als sei der Mensch kein biologisches Wesen und es lasse sich alles mit Disziplin regeln”, sagt Tillmann Roenneberg. [Professor vom Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München] ... Für den Wissenschaftler steht fest: Durch den frühen Schulbeginn sind ein “konzentriertes Empfangen von Wissen und ein konsolidiertes  Lernen nicht möglich”.

Aus schlafmedizinischer Sicht verschärft sich das Problem des frühen Schulbeginns dadurch, dass Kinder und Jugendliche “sich zu wenig im Freien aufhalten und ihnen deshalb natürliche Zeitgeber fehlen” - vor allem natürliche Helligkeit. “ Kinder brauchen mehr Tageslicht”, rät Roenneberg dringend. In seiner Kindheit, also vor etwa 40 Jahren, habe man sich noch “40 bis 50 Prozent länger draußen aufgehalten”.

Heute indes hocken die Kinder vor ihren Computer-Spielen. Auch deshalb schliefen sie abends “später ein als vor 80 Jahren”. Folglich brauchen sie dann aber morgens mehr  Schlaf - den sie nicht bekommen. “Abends gibt auch heute die  innere Uhr das Signal zum Einschlafen, morgens aber die äußere”, sagt Roenneberg. Hierin liege eine “Diskrepanz, die oft nicht gesehen wird”.

Salopp gesagt: Unsere Gesellschaft macht Kinder zu Nachteulen, weckt sie aber als Lerchen. Dadurch werde den Schülern der wertvollste Schlummer geraubt, denn: “Erlerntes wird im letzten Drittel des Schlafes konsolidiert . Dieses Drittel wird den Schülern genommen, wenn sie frühmorgens aus dem Schlaf gerissen werden”, sagt Roenneberg. ...

Der Regensburger Schalfforscher Jürgen Zulley rät Eltern, folgende Regeln einzuhalten, um ihren Kindern ausreichend erholsamen Schlaf zu ermöglichen und sie “wohlig schläfrig, nicht übermüdet und aufgekratzt” zu Bett zu bringen zu können:

  • Jeden Tag, vor allem bis zur  Pubertät, zur gleichen Zeit schlafen gehen - auch am Wochenende. Einzige Ausnahme sollte der Freitagabend sein.

    [Anm. PRAXIS-LEBEN.de: Der Körper benötigt für eine veränderte Zeitanpassung ca. 3 Tage. Sprich: Gehen Sie oder ihr Kind das ganze Wochenende später als gewohnt zu Bett, ist der Körper zu Wochenbeginn gerade “umgestellt” und braucht dann wieder bis Mittwoch, um sich erneut anzupassen ...]
     
  • Möglichst vor 19 Uhr mit den Kindern zu Abend essen.
     
  • Zeit zum Abschalten gewähren, am besten mit Ritualen wie Vorlesen unaufregender, angenehmer Geschichten.
     
  • Niemals das Kind zur Strafe ins Bett schicken, damit es Schlafengehen, als etwas Positives verinnerlicht. Gut schläft, wer Schlaf als angenehm erlebt.

 (Aachener Zeitung, 23.01.2006, S. 3)


 

Mein TIPP [srechen Sie mich an]:

  • Wertvolles zum Thema Licht und Schlaf finden Sie im Hoppytipp 311 “Besser Schlafen” der Hoppythek aus dem Jahr 2000. Leider hat der WDR Hobbytipps älter als 2002 aus seinem Archiv genommen hat. Deshalb hier zum  DOWNLOAD.
      
  • Ebenso wertvoll das PDF-Skript  Phänomen Schlaf der Sendereihe Quarks & Co.
     
  • Wecken Sie sich und Ihre Kinder gerade in der dunklen Winterzeit nicht durch schrilles Ertönen eines abscheulichen Weckrufes (im Schlimmsten Fall noch mitten in einer NON-REM-Tiefschlaf-Phase), sondern: natürlich, sanft und absolut geräuschlos mittels Licht-Wecker bzw. Melatonin-Wecker:
      
    • Die Sache funktioniert ebenso einfach wie genial: Ca. 30 Minuten vor dem eigentlichen Weck-Ruf (akustisch) wird ihr Zimmer erleuchtet (visuell) - am Schönsten natürlich langsam zunehmend.
        
      Durch den Augenreiz  Licht wird die Produktion des Schlaf-Hormons  Melatonin gestoppt und die Aktivierung der natürlichen Wach-Macher  Adrenalin und  Noradrenalin in Gang gesetzt. [Das Ganze funktioniert natürlich umso besser, je besser Sie in der Nacht für Verdunklung sorgen (Rolladen oder licht-dichter Vorhang).]
        
      Gleichzeitig schaffen Sie sich damit ein Zeitfenster von 30 min, um auf natürliche Art innerhalb einer leicht-schläfrigen REM-Phase aufzuwachen. [Damit sparen Sie sich zugleich die kostspielige Anschaffung eines 
      SLEEPTRACKER's (ca. 150 EUR).]
       
      Die Frage lautet also:
      Wer macht Ihnen 30 Minuten vor dem Weckton das Licht an ???
        
      Entweder Sie kaufen sich so ein “Wellness-Prachtexemplar” unter dem Namen “Lichtwecker” oder “Sonnenaufgangs-Simulator” für teures Geld (ca. 100 EUR), oder Sie bauen sich ihren eigenen “Malatonin-Wecker”. Alles was Sie brauchen:
       
       
      • Eine ganz gewöhnliche Lichtquelle (Stehfluter, Nachttischleuchte),
         
      • diese möglichst “indirekt” platziert, so dass sie den Raum erhellt, aber nicht die Augen blendet,
         
      • angeschlossen an eine Steckdose mit Zeitschaltuhr (bekommen Sie kostengünstig in jedem Baumarkt).
         
      • Wollen Sie zunehmendes Licht, schalten Sie einfach eine erste (sehr schwache) Leuchte 35 min. vor Aufstehzeit und eine zweite (stärkere) Leuchte 20 min vor Aufstehzeit, ggf. können Sie 10 min vor Aufstehzeit Vollbeleuchtung durch eine dritte Leuchte schaffen.

 
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